Vergebung ist ein Kraftakt

Ein Essay im Netzwerk ETHIK HEUTE

Menschen zu vergeben, die uns Leid zugefügt haben, ist ein Kraftakt. Doch welche Alternativen gibt es dazu? Wer vergibt, verabschiedet sich vom Opferstatus, übernimmt Verantwortung für das eigene Leben und macht sich bereit für einen Neubeginn.

„Als ich aus der Zelle durch die Tür in Richtung Freiheit ging, wusste ich, dass ich meine Verbitterung und meinen Hass zurücklassen musste, oder ich würde mein Leben lang gefangen bleiben“, schrieb Nelson Mandela in seiner Autobiografie.

Fast dreißig Jahre war der Bürgerrechtler in den Gefängnissen Südafrikas eingesperrt. Nach seiner Befreiung setzte er ein für die ganze Welt sichtbares Zeichen der Vergebung: Bei der Ernennung zum Staatspräsidenten begrüßte er seinen ehemaligen Gefängniswärter Christo Brand auf der Ehrentribüne. „Mandela hat uns alle befreit“, sagte dieser danach.

Nelson Mandela wusste: Die Weigerung zu verzeihen bindet uns nicht nur an diejenigen, die uns Unrecht zufügen, sie bindet uns auch an die Vergangenheit und überschattet unsere Gegenwart. Wenn wir anderen etwas nachtragen, tragen wir selbst am schwersten daran. Und nicht nur das – oft übertragen wir unseren unverarbeiteten Groll auf gegenwärtige Beziehungen und verursachen dadurch neues Leid.


Sich den Weg durch die Emotionen bahnen

Wie aber finden wir zur Vergebung? Und welche Schritte erfordert sie? Dass es sich bei der Vergebung um einen Kraftakt handelt, der Mut, Entschlossenheit und einen langen Atem braucht, spürt jeder sehr schnell, der sich dazu bereit macht. Denn es bedeutet, sich seinen verletzten Gefühlen zu stellen und sich einen Weg durch Zorn, Scham, Angst, Enttäuschung und Trauer zu bahnen. Kein Wunder, dass wir davor zurückscheuen und diese Gefühle lieber verdrängen oder vergessen würden anstatt uns ihnen auszusetzen.

Oft sind es auch nahestehende Menschen, die uns nahelegen, doch endlich einen Schlussstrich unter die Sache zu ziehen und Gras darüber wachsen zu lassen. Doch gerade unter diesem Gras wuchern Kränkungen oft unbemerkt weiter und wachsen sich zu Groll und Bitterkeit aus. Nicht selten ergreifen dann Rachegedanken von uns Besitz. Wir wollen es dem anderen heimzahlen. Soll er doch auch mal spüren, wie sich das anfühlt!

Der Wunsch nach Rache ist eine natürliche und archaische Reaktion auf Unrecht. Doch Rache ist nicht süß, sondern bitter. Sie heilt auch nicht den Schmerz, sondern verursacht nur noch mehr unnötiges Leid. Was sie anrichten kann, führen uns die gewaltsamen Konflikte in der Welt vor Augen, denen meist völlig Unschuldige zum Opfer fallen.
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