Wir können in der Not ein Anker sein

Welt der Frau vom November 2016

Artikel von Christa Spannbauer

„Der Mensch ist des Menschen Wolf “, behauptete einst der Philosoph Thomas Hobbes. Wer sich heute in der Welt umsieht, mag durchaus versucht sein, dem Glauben zu schenken. Doch richten wir unser Augenmerk vielleicht zu sehr auf die Schreckensnachrichten unserer Zeit? Vergessen wir nicht die vielen Menschen, die ohne großes Aufheben, doch mit viel Mitgefühl dafür sorgen, dass die Welt sich weiterdreht?

 

Sie war auf dem Weg ins Krankenhaus, um ihren Vater zu besuchen, als sie aus dem Fenster eines Hauses Rauch aufsteigen sah. Ohne zu zögern, trat Nicole Hey auf die Bremse, sprang aus dem Auto und rannte in das brennende Haus. Dort kämpfte sie sich durch den Rauch in das Obergeschoß vor, wo der Bewohner des Hauses in Schockstarre saß. Gemeinsam mit einem anderen zur Hilfe geeilten Retter zerrte sie den alten Mann ins Freie. Kurz danach stürzte die Zimmerdecke ein. In welche

Gefahr sich die vierfache Mutter gebracht hatte, erkannte sie erst im Nachhinein. „In dem Moment funktioniert man einfach. Schließlich ging es um Leben und Tod“, sagt sie. Was für die mutige Frau offenbar eine Selbstverständlichkeit war, wirft weitreichende Fragen über die menschliche Natur auf: Was bringt Menschen

dazu, ihr Leben für andere einzusetzen? Was lässt sie mitfühlend für andere einstehen? Diese „HeldInnen des Alltags“, von deren beherzten Taten wir immer wieder hören, bezeugen ein Menschenbild, das auf Mitgefühl, Kooperation und Verbundenheit basiert. Und neue Studien aus der Neurobiologie und der Verhaltensforschung belegen es: Mitgefühl ist Grundbestandteil der menschlichen Evolution. „Der Erfolg der Menschheitsgeschichte ist unsere Kooperationsbereitschaft und nicht unsere Wettbewerbsfähigkeit“, schreibt der renommierte Verhaltensforscher Frans de Waal, der mit seinen Forschungen der neoliberalen und sozialdarwinistischen Theorie vom menschlichen Egoismus eine klare Absage erteilt. Wenn es aber stimmt, dass Mitgefühl angeboren ist – weshalb handeln so viele Menschen so, als ob sie keinen Zugriff darauf hätten?

 

>> weiterlesen im PDF

Download
Mitgefühl_Welt_der_Frau.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.4 MB


Update-Service:

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann melden Sie sich zu meinem Newsletter an. Ich informiere Sie regelmäßig über meine Arbeit: zum Newsletter