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Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen!

Wie verlockend es doch ist, sich immer wieder in den negativen Schlagzeilen zu verlieren. Ich ertappte mich heute Morgen dabei, wie ich als erstes die neuen Lügen und Unverschämtheiten von Donald Trump las anstatt mich über den Sieg von Joe Biden und dessen Visionen zu erfreuen. Vielleicht geht es euch ähnlich. Wir hoffen das Beste. Und erwarten doch das Schlimmste.

 

Für mich ist es daher höchste Zeit, mich einem meiner großen Vorbilder der Hoffnung zuzuwenden: dem Philosophen Ernst Bloch, der das Jahrhundertwerk „Das Prinzip Hoffnung“ im Exil verfasste. Zeit seines Lebens war er ein Vertriebener und Heimatloser. Vor dem Ersten Weltkrieg flüchtete der überzeugte Pazifist in die neutrale Schweiz. Und als Hitler in Deutschland an die Macht kam, floh er nach Prag und emigrierte von dort nach Amerika. Hier, im Exil, schrieb er sein 1000-seitiges Monumentalwerk „Das Prinzip Hoffnung“. In einer der dunkelsten Zeiten der Menschheitsgeschichte ließ sich dieser Mann seine Zuversicht nicht rauben. Und auch nicht den Glauben an das Gute im Menschen zerstören. Überall sah er, dessen Hoffnungen auf eine bessere Welt so oft zerschlagen wurden, die Hoffnung am Wirken.

Ich hätte ihn gerne kennengelernt, diesen unerschrockenen und aufrechten Mann, der sich bis ins hohe Alter der Vision von einer humaneren und friedlicheren Welt verschrieben hatte. Ein Philosoph, der ganz vom Geiste der Utopie beseelt war. Der sich seine Heilslehre der Hoffnung aus dem schmerzenden Herzen schrieb. Ein Visionär, der das Himmelreich nicht im Jenseits suchte, sondern es bereits hier auf Erden schaffen wollte. „Es zu verwirklichen, dürfen wir nicht von den höheren Mächten, die uns die Arbeit abnehmen, erwarten. Vielmehr ist es unsere Aufgabe. Was wir in Tagträumen, Visionen, Werken der Kunst und der Phantasie hoffend erahnen, müssen wir aus der Möglichkeit in die Wirklichkeit überführen.“

 

Aus welchen Wurzeln speist sich solch eine unzerstörbare Zuversicht? Woraus schöpft der Mensch in schweren Zeiten diese Kraft? Zur Hoffnung, davon war Ernst Bloch überzeugt, kann man sich entschließen. Zumal die Hoffnung ursprünglicher und damit immer schon größer ist als ihre Gegenspielerin, die Angst. „Die Hoffnung ersäuft die Angst“, schrieb er.

 


"Die Hoffnung ersäuft die Angst." Ernst Bloch


Ernst Bloch war ein Sozialrevolutionär. Und ein Humanist. Immer stand er auf Seiten der Geknechteten und Unterdrückten. Und er war auch ein Mystiker, einer, der aus dem Erfahrungsraum eines mit der Natur und dem Kosmos versöhnten Menschen schöpfte. Und selbst wenn dieser Raum immer wieder unter den Trümmern menschlicher Gewalt begraben wird, so bleibt es doch unsere Aufgabe, ihn zu suchen und für künftige Generationen offenzuhalten. „Hoffen heißt, jeden Augenblick bereit zu sein für das, was noch nicht geboren ist, und trotzdem nicht zu verzweifeln, wenn es zu unseren Lebzeiten nicht zur Geburt kommt.“ 

 

Ein unverbesserlicher Optimist war er, der selbst in den düstersten Zeiten der Menschheit die Hoffnung beschwor und nicht verlor. Rastlos und ruhelos blieb er, nie zufrieden mit dem, was ist, sondern immer sehnsüchtig auf eine bessere Zukunft ausgerichtet. Wusste er doch: „Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt.“


"Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt." Ernst Bloch


Das Unrecht, das die Welt regiert, sollte nicht das letzte Wort behalten. Bis ins hohe Alter spornte er gerade die vielen jungen Menschen, die in seine Vorlesungen strömten, dazu an, das Potenzial der Phantasie zu entfalten und der Zukunft einen Möglichkeitsraum zu öffnen. Denn wir Menschen sind nicht einfach nur, wer und was wir sind, sondern wir sind das, was wir sein können, sein wollen, zu sein erhoffen. „Man muss ins Gelingen verliebt sein, nicht ins Scheitern“, schrieb er, der Hoffnungsvolle, uns ins Stammbuch.


"Man muss ins Gelingen verliebt sein, nicht ins Scheitern." Ernst Bloch


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