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Wenn der Berg ruft

Ich schreibe gerade an einem neuen Buch „Die Reise in das Herz der Natur“. Dafür habe ich mich nun für einige Tage in die Berge Österreichs zurückgezogen. Alleine. Nein, nicht ganz alleine. Meine Hündin Cora ist natürlich mit von der Partie. Wenn auch etwas widerwillig. Denn Cora ist ein Großstadthund par excellence. Und Berge sind so gar nicht ihr Ding.

 

Ich hingegen habe die Berge gewählt als Möglichkeit einer intensiven Naturerfahrung. Das konnte ich heute bei meiner ersten Wanderung auf die Lescheralm auch gleich hautnah erfahren. Es ist schon lange her, dass ich so lange so steil bergauf stieg. Ich laufe zwar viel und gerne. Doch im Flachland Berlins meist ebenerdig. Etwas Bammel hatte ich schon, muss ich gestehen. So ganz ohne Begleitung in die Berge zu gehen. Doch ich bin reich belohnt worden. 

 

Bereits der erste Aufstieg beglückte mich mit Natur pur

Der Aufstieg auf den Berg gibt einem mannigfaltige Möglichkeiten, in Kontakt mit dem eigenen Körper und der Natur zu kommen. So ein Aufstieg fordert dem Körper einiges ab. Der Schweiß läuft in Strömen, je höher man steigt, die Sonne brennt ins Gesicht. Das Sonnenschutzmittel liegt unten im schattigen Tal. Ich spüre mit jedem steilen Schritt den Schmerz in den Waden, die solche Anstrengungen gar nicht mehr gewohnt sind. Der Atem wird knapp, der Puls rast und der ganze Körper signalisiert, dass er sich von dem Berg vor einer Herausforderung gestellt sieht, die ihm einiges abverlangt.

 

Welche Wohltat, wenn man eine Bank unter einem schattigen Baum findet. Und dann, welche Freude, die Blaubeer- und Himbeersträucher zu entdecken. Sogar meinen Hund konnte ich mit diesen Leckereien kurzzeitig von den Freuden der Bergwanderung überzeugen. Als Stadthund fand sie es weit unter ihrer Würde, aus dem wilden Bergbach zu trinken. Meine Wasserflasche aber trank sie leer.

 

Woran du erkennst, dass du deinen Hund nicht weniger liebst als dich selbst? Wenn du in den Bergen dein letztes Trinkwasser mit ihm teilst.

Seine Majestät, der Hochkönig!

Wenn der Berg ruft, dann folge ihm, denn er hat dich einiges zu lehren. Er ist ein strenger Lehrmeister. Er lehrt dich Demut und Dankbarkeit. Ebenso wie der Ozean zeigt einem das mächtige Bergmassiv unsere Kleinheit auf. Der Großkönig thront majestätisch über dem Tal und ragt über mir auf. Meine Qual lässt ihn kalt. Beim Aufstieg spüre ich Muskeln an Stellen meines Körpers, von denen ich bislang gar nicht wusste, dass ich sie hatte. Was bleibt mir anderes übrig, als mich vor ihm zu verbeugen?

Was ich gelernt habe: Sonnenmilch mitnehmen, auch wenn es im Tal schattig ist.

 

Die Frage am Ende des Tages ist: Woher kommen nur all die Muskeln, die ich bislang noch nie spürte?  

 

Und Cora fragt: Können wir jetzt bitte endlich heimgehen und auf dem Sofa liegen?




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Kommentare: 1
  • #1

    Josef Blum (Montag, 26 August 2019 21:07)

    Unsere Hausberge in der Eifel vermitteln uns ähnliche Erlebnisse, in denen wir spüren, dass wir leben. Ich freue mich für Sie, dass auch Sie sich so dem Leben öffnen können. Grüßen Sie die Cora.