Bruder David und die Dankbarkeit

Bruder David Steindl-Rast
Bruder David Steindl-Rast

„Wenn wir uns am Morgen vornehmen, dankbar zu sein für alles, was uns an diesem Tag begegnet, werden wir am Abend bereits spürbar glücklicher sein“, sagte David Steindl-Rast einmal in einem Gespräch mit mir. Oft erinnere ich mich an seine Worte und spüre dann umgehend die Kraft der Dankbarkeit in mir wirken.

 

Für die aktuelle Ausgabe der Berliner Straßenzeitung KARUNA, die ich als Gastredakteurin konzipierte, sendete der 94-jährige Benediktiner und weltweit geschätzte Lehrer der Dankbarkeit die folgenden Grußworte aus Buenos Aires nach Berlin:

 

Wie schön, liebe Leserinnen und Leser von KARUNA KOMPASS, dass wir durch meinen kurzen Beitrag in eurer Straßenzeitung über die weite Entfernung Buenos Aires / Berlin hinweg verbunden sein können – und das in dieser Zeit äußeren Distanzhaltens, die uns umso mehr zu innerer Verbundenheit einlädt. Mir scheint, dass der Dreischritt von „Anhalten - schauen - gehen“ in diesen Tagen neue Bedeutung bekommt. Das Leben gibt uns jetzt eine ungewohnte Gelegenheit zum Anhalten. Wenn wir sie nicht durch Ungeduld vergeuden, sondern nutzen, um innerlich still zu werden, entstehen auch neue Gelegenheiten fürs Schauen – etwa auf die Bedürfnisse unsrer Mitmenschen. Was wir da sehen ist mehr Einsamkeit denn je zuvor, die verlangt, dass wir aufeinander zugehen. Das aber gibt dem Gehen, unsrem dritten Schritt, neue Bedeutung. Ein doppelt beglückendes Gehen ist das Gehen derer, die Geschenke bringen – beglückend für Bringer und Empfänger. Und das beste Geschenk ist immer noch ein Lächeln – es kostet nichts, passt immer und ist noch dazu ansteckend im besten Sinn des Wortes. Dass gerade in diesen Tagen das „Anhalten - schauen - gehen“ uns helfen möge, die gute Ansteckung eines strahlenden Trotzdem-Lächelns zu verbreiten, das wünsche ich uns allen von ganzem Herzen.

Euer Bruder David     

 




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