Aufgehoben aus 2017

Blog von Christa Spannbauer

Weil Dankbarkeit der Schlüssel für ein erfülltes Leben ist


„Wenn wir uns am Morgen vornehmen, dankbar zu sein für alles, was uns an diesem Tag begegnet, werden wir am Abend bereits spürbar glücklicher sein", sagte Bruder David Steindl-Rast einmal in einem Gespräch zu mir. Der amerikanische Benediktiner erblickt in der Dankbarkeit die wirksamste spirituelle Übung. Auch für Martin Seligman, den Gründervater der Positiven Psychologie, gilt die Dankbarkeit als ein zentraler Schlüssel für ein glückliches Leben. Denn sie verleiht die Fähigkeit, uns dem Leben wohlwollend zuzuwenden, mit offenen Sinnen und einem offenen Herzen durch den Alltag zu gehen, die einfachen Dinge des Lebens zu wertschätzen und die Schönheit in allem ausfindig zu machen. Gerade jetzt, am Ende des Jahres, ist die beste Zeit für einen dankbaren Blick auf all die Menschen, Begegnungen und Ereignisse, die dieses Jahr mit Lebendigkeit, mit Glück & Freude und mit intensiven Gefühlen erfüllt und unser Leben damit reich gemacht haben.

Jetzt ist auch die beste Zeit, den Menschen zu danken, die an unserer Seite standen, in guten und in schlechten Zeiten, die uns den Rücken gestärkt haben, uns zum Lachen und mitunter auch zum Weinen brachten. Menschen sind das Glückselixier unseres Lebens. Weshalb also ihnen nicht gleich heute, am letzten Tag des Jahres, danken - in einem Gespräch, einer Postkarte, einer Whatsapp, einem Telefonat.

 

 

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Eine Hommage an meine Großmutter, die mich lehrte, immer nach dem Licht Ausschau zu halten

Niemand konnte Geschichten so schaurig-schön erzählen wie meine Großmutter. Ich erinnere mich an die Winterabende in ihrer warmen Küche. Im Ofen prasselte das Feuer, draußen dämmerte es, und ich fühlte mich heimelig und geborgen. „Erzähl mir eine Geschichte“, bat ich sie dann. Und sie setzte sich zu mir auf das alte Sofa und begann mit geheimnisvoller Stimme zu sprechen. Besonders angetan hatte es mir die Geschichte der beiden Kinder, die sich auf ihrem Heimweg im Wald verirrten. Wohlige Schauer des Schreckens überkamen mich, während ich wie gebannt an den Lippen meiner Oma hing. Ich sah sie förmlich vor mir, die zwei Kinder, wie sie sich, furchtsam an den Händen halten und ihren Weg durch den tiefen Wald bahnen. Wie bangte ich mit ihnen, während sie vergeblich nach dem Licht des Elternhauses Ausschau hielten. Und was war ich erleichtert, als sie endlich den rettenden Schein in der Ferne erblickten.
Mit ihren Geschichten trug meine Großmutter dazu bei, mich auf das Leben vorzubereiten. Auf die Prüfungen und Krisen, die ich auf meinem Lebensweg meistern und überstehen würde. Auf die Zeiten der Dunkelheit, die es zu durchqueren gilt. Sie lehrte mich, dass es auch in der größten Verzweiflung lohnt, nach dem Licht Ausschau zu halten. Dass es wichtig ist, in schweren Zeiten nicht allein zu sein. Dass es möglich ist, trotz aller Angst den Mut zusammenzunehmen und weiterzugehen. Und dass wir uns selbst in der größten Verzweiflung die Hoffnung bewahren können.
Ja, Geschichten bereichern unser Leben. Als Erwachsene ebenso wie als Kinder. Weshalb also setzen wir uns nicht öfters mit anderen zusammen um uns etwas zu erzählen? Geschichten vom Wunder der Liebe, von den kleinen und großen Momenten der Menschlichkeit, Geschichten von den magischen Begegnungen der Seele auf ihrer Lebensreise.

Weitere Geschichten findet ihr in meinem Buch Teile und werde mehr

 

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Weshalb nicht lieber Zeit statt Zeug schenken?

„Ich hab‘ grad überhaupt keine Zeit! Ich bin total im Stress!“ Wie oft hören wir diese Worte gerade an diesen Vorweihnachtstagen. Zeit ist ein kostbares und rares Gut geworden. Weshalb also schenken wir zu Weihnachten nicht öfter mal Zeit statt Zeug? Anstatt loszuhetzen und jetzt noch schnell Geschenke im Weihnachtsrummel zu erjagen, diese Zeit den Menschen selbst zu schenken? Der besten Freundin einen entspannten gemeinsamen Saunabesuch schenken anstatt ihr eine kunstvoll verpackte Körperlotion in die Hand zu drücken. Anstatt dem Vater wieder ein Hemd mit Krawatte unter den Weihnachtsbaum zu legen ihn zu einem gemeinsamen Weihnachtskonzert ausführen. Der Nichte einen gemeinsamen Zoobesuch schenken statt ein weiteres Stofftier. Mit den Kindern einen Bastelnachmittag verbringen anstatt ihnen die Dinge fertig zu kaufen. Es gibt so viele wundervolle Möglichkeiten, wertvolle Zeit mit anderen zu teilen. In meinem Buch Teile und werde mehr habe ich hierfür viele Ideen zusammengetragen. Worauf also warten wir: Schenken wir uns und anderen Zeit. In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein entspanntes und friedvolles Weihnachtsfest. 

 

 

Weil unsere Seele gerade jetzt viel Kraft braucht

Die letzten Tage vor Weihnachten sind oft alles andere als still und besinnlich. Nun beginnt der Run auf die letzten Geschenke für Freunde und Familie, das Festtagsessen muss organisiert und eingekauft und die Wohnung weihnachtlich dekoriert werden. Nun kehren die Kinder und Kindeskinder aus allen Himmelsrichtungen heim, oder wir selbst machen uns auf eine weite Reise zu unseren Eltern und Familien.

Es ist eine aufregende, aber auch anstrengende Zeit. Was das in Familien durchaus bekannte Phänomen erklärt, dass es gerade jetzt, am Fest der Liebe, häufig zu Konflikten und Verletzungen kommt. Familienkonflikte, die schon längere Zeit am Schwelen sind, brechen auf und alte Familienmuster werden reaktiviert Die in die Jahre gekommenen Eltern sagen gedankenlos und doch treffsicher Dinge, die die eigenen Kindheitverletzungen triggern, die Kinder sind gerade jetzt in einer Krise und besonders dünnhäutig und der Partner bietet bei all dem auch nicht die Unterstützung, die wir uns wünschen würden. Eine gehörige Portion Stress und Anspannung begleiten daher diese Tage. Und neben all der Vorfreude sind auch Ärger und Frust  nahezu unvermeidlich.


Für Zeiten wie diese haben die Philosophin Katharina Ceming und ich unseren Spirituellen Notfallkoffer verfasst. Das Buch bietet erste Hilfe für die Seele und wirksame Sofortrezepte für die Krisen des Alltags. Kleine Rituale, ermutigende Impulse, entspannende Meditationen und stärkende Körperübungen aktiveren die eigenen Kraftquellen inmitten der geschäftigen Vorweihnachtszeit. Wir tanken Kraft und gönnen uns jetzt eine kleine Auszeit.

 

Damit wir alle Weihnachten, das Fest der Liebe, harmonisch und zuversichtlich im Kreise unserer Lieben begehen können.

 

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Teile - und werde mehr

Seit vier Jahren begleitet mich meine wundervolle Hündin Cora durchs Leben. Ich verdanke sie der Berliner Tierschutzinitiative Ein Freund fürs Leben e.V., die sie aus einem spanischen Tierheim nach Deutschland holte. Jedes Jahr werden von dieser Initiative Hunde und Katzen aus den Tierheimen und Tötungsstationen Spaniens geholt und hier an liebevolle Besitzer vermittelt.

Um die Arbeit dieser engagierten Menschen zu unterstützen, verschenke ich 10 meiner Bücher Teile und werde mehr. Verbunden mit der Bitte um eine Spende nach eigenem Ermessen für die Tierschutzinitiative. Die ersten 10 Interessierten, die mir ihre Adresse zumailen, erhalten ein signiertes Buch zusammen mit einem Flyer von „Ein Freund fürs Leben“ zugeschickt. 

Hier ist das Spendenkonto für alle, die auf der Suche einem sinnvollen Weihnachtsgeschenk sind. Und wer sich den langgehegten Wunsch nach einem vierbeinigen Freund erfüllen möchte, sollte unbedingt die Website besuchen.

Spendenkonto: „Ein Freund fürs Leben e.V.
IBAN: DE03 4306 0967 1128 8759 00

 

 

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Weil es die einfachen Dinge sind, die das Leben wertvoll machen

Es ist für uns Kinder des Wohlstands ja gar nicht so einfach, den Wert der Dinge zu erkennen, die wir noch nie entbehren mussten. Meist nehmen wir unsere Teilhabe an den Gütern dieser Welt daher als selbstverständlich hin. Wir glauben, dass wir selbst auf die wichtigsten Ressourcen des Lebens ein Anrecht hätten: sauberes Trinkwasser, sobald wir den Wasserhahn aufdrehen; gefüllte Regale, wenn wir einen Supermarkt betreten; eine warme Wohnung, wenn wir die Heizung andrehen; Bildung, sobald wir Schulpflichtig werden. Wir vergessen, wie privilegiert wir sind und dass zahllose Menschen weltweit keinen Zugriff auf dieser Güter haben.

 

Anders als noch unsere Eltern und Großeltern, die Zeiten der Entbehrung erlebten und denen es auch später nicht in den Sinn gekommen wäre, ein Stück Brot wegzuwerfen, mussten wir noch nie Hunger am eigenen Leib erfahren. Wie aber können wir lernen, für etwas dankbar zu sein, was wir noch nicht entbehren mussten? Wie können wir das wertschätzen lernen, was uns so selbstverständlich geworden ist?


Ich hatte das Glück, einigen Menschen auf meinem Lebensweg begegnen zu dürfen, die mich in dieser Hinsicht viel lehrten. Menschen, die fast alles verloren hatten und Zeiten großer Entbehrung erleben mussten. Und die heute großzügig und gütige Menschen sind. Sie haben mich viel über Wertschätzung und Dankbarkeit gelehrt. Oft denke ich an die Worte meiner israelischen Freundin Greta Klingsberg, die als Kind die Shoah überlebte: „Es sind die einfachen Dinge, die das Leben wertvoll machen. Das ist es, was ich aus dieser Zeit gelernt habe.“

In dem Buch Mut zum Leben porträtierten wir diese bemerkenswerte Frau, zusammen mit Esther Bejarano, Jehuda Bacon und Éva Pusztai-Fahidi.  

 

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Weil es Kraft braucht, Menschen beim Sterben beizustehen

Ich habe bei meinen letzten Seminaren in Hospizvereinen wundervolle Menschen getroffen, die anderen Menschen sehr viel geben. Die ehrenamtlichen Hospizhelfer sind für mich wahre Helden und Heldinnen des Alltags. Sie gehen an den Ort, den viele andere meiden. Sie stehen Menschen bei auf ihrem letzten Weg. Sie sind da, halten, begleiten, trösten. Sie schenken ihre Zeit, ihr Mitgefühl und ihre Kraft. 

 

Wer viel gibt, sollte gut für sich selbst sorgen. Oft aber verausgaben sich gerade die mitfühlenden und engagierten Helfer in der Sorge um andere. Sie verlieren sich selbst aus den Augen und lassen sich zu wenig Fürsorge zukommen.

 

Ich selbst war in jungen Jahren Altenpflegerin. Ich habe viele Jahre mit schwerkranken Menschen gearbeitet. Und einige von ihnen auf ihrem letzten Weg begleitet. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Kraft und Stabilität es braucht, um das Sterben eines anderen Menschen auszuhalten. Heute wünschte ich mir, ich hätte damals mehr von dem gewusst, was ich heute weiß. Dass ich die Methoden aus der Achtsamkeits- und Mitgefühlspraxis gekannt hätte, die ich heute kenne, und die ich in Seminaren anderen weitergebe. Damit wir uns selbst gerade in schwierigen und kräftezehrenden Situationen tröstend und mitfühlend zur Seite stehen können. Und danach unsere Ressourcen wieder auffüllen können.

 

Selbstmitgefühl ist die Basis für Mitgefühl mit anderen. Das weiß ich heute. Und zahlreiche Forschungen belegen dies.

Deshalb ist es mir eine besondere Freude, wenn ich zu Selbstfürsorge-Seminaren von Hospizvereinen eingeladen werde. Um im Austausch miteinander herauszufinden, wie wir  achtsam, liebevoll und fürsorglich nicht nur mit anderen, sondern auch mit uns selbst umgehen können. Wie wir unsere Kraftspeicher auffüllen können und Selbstfürsorge als eine wichtige Kraftquelle im eigenen Leben aktivieren. In meinem Buch Sei gut zu dir habe ich hierfür viele Inspirationen und Übungen zusammengetragen, die ich in meinen Selbstfürsorge-Seminaren mit anderen teile.

 

 

 

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Der Mut zum Leben. Eine Hommage zum 92. Geburtstag der Shoah-Überlebenden Èva Pusztai-Fahidi

Mit 90 Jahren tat sie das Unvorstellbare: Sie begann öffentlich ihr Leben zu tanzen. Und damit auch ihre Zeit in Auschwitz. Heute wird sie 92 Jahre alt: meine hochverehrte ungarische Freundin Éva Pusztai-Fahidi.

Im November, anlässlich der Erinnerung an die Reichspogromnacht, wird sie im Volkstheater in Wien tanzen, erzählte sie mir soeben freudig am Telefon.

Erstmals traf ich Èva 2011 bei einer Lesung aus ihrem Buch „Die Seele der Dinge“ in Berlin. Und schon kurz darauf saß ich ihr mit unserem Kamerateam in ihrer Budapester Wohnung gegenüber. Denn sie hatte zugestimmt, in unserem Film „Mut zum Leben – Die Botschaft der Überlebenden von Auschwitz“ mitzuwirken, in dem wir auch die Shoah-Überlebenden Esther Bejarano, Jehuda Bacon und Greta Klingsberg porträtierten,

Auf die Frage, was sie denn darin unterstützt habe, diese Schreckenszeit im Vernichtungslager zu überstehen, sagte sie: „Ich durfte auch hier erfahren, dass es immer Menschen gibt, die einem in der größten Not beistehen“. Und dann begann sie zu erzählen: Von den vielen Gesten der Solidarität zwischen den Frauen in ihrer Baracke, von dem Trost, den sie sich gegenseitig spendeten, der Hoffnung, die sie nie aufgaben und der Bereitschaft, selbst den letzten Bissen Brot miteinander zu teilen. Gebannt lauschte ich ihren Erzählungen von Frauen, die sich mit aller Entschlossenheit gegen die Entmenschlichung und Entwürdigung zur Wehr setzten: „Je größer der äußere Druck, desto stärker der innere Widerstand. Wir blieben trotz allem Menschen, trugen das Haupt aufrecht, hielten das Essbesteck wie zu Hause, wuschen uns täglich und putzten uns die Zähne.“ Frauen, die bis zum Äußersten füreinander eintraten: „Wir, das heißt unsere Fünferreihe, standen uns so nahe und unterstützten einander in so einem Maße, als wären wir eine Person“.

Als einzige ihrer ungarischen Großfamilie hatte Èva Pusztai-Fahidi den ungarischen Holocaust überlebt. Seit 20 Jahren tritt sie als Zeitzeugin und Holocaust-Aktivistin gegen das Vergessen an. Denn nie wieder soll ein Mensch das erleben müssen, was ihr widerfahren ist. Dafür tritt sie bis heute mit ihrem Leben ein. Wer ihr begegnet, trifft auf ungebrochenen Lebenswillen, unzerstörte Hoffnung, tiefe Mitmenschlichkeit. In ihrer Person sind Freude, Trauer, Humor und Schmerz auf das Innigste miteinander verwoben. „Wenn man alles und alle verloren hat, bleibt einem das Leben“, sagte sie. „Und wenn man schon ein Leben hat, dann soll man es auch leben! In uns, die wir aus Auschwitz zurückgekommen sind, ist diese Lebenskraft sehr tief. Wir wissen, wie kostbar das Leben ist.“

Nein, die Zeit heilt keine Wunden. Sie kann nur lehren, mit diesen Wunden zu leben. Der Schmerz bleibt. Die Toten auch. Sie altern nicht. Noch heute träumt Èva, dass ihre kleine Schwester Gilike plötzlich vor der Tür steht und sagt: „Wir haben uns aber lange nicht gesehen. Wollen wir ein Rad schlagen?“


Auf dem Foto ist Éva Pusztai-Fahidi mit dem gleichnamigen Buch zum Film "Mut zum Leben" zu sehen.  

 

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Wie eine Karotte die Menschlichkeit rettete

Nie hat mich die Geschichte dieser kleinen runzeligen Karotte losgelassen. Erzählt hat sie mir eine alte Dame aus Israel vor laufender Kamera. „Was gibt einem die Kraft, solch schreckliche Erfahrungen als Mensch zu überstehen?“, hatte ich Batsheva Dagan damals gefragt. Woraufhin die Shoah-Überlebende umgehend zu erzählen begann. Von der Solidarität unter den Frauen ihrer Baracke, die nur umso stärker wurde, je verzweifelter ihre Situation wurde. Von dem Trost, den sie sich gegenseitig spendeten. Von der Bereitschaft, bis zum letzten füreinander einzustehen. Gebannt lauschte ich den Erzählungen von Frauen, die sich mit aller Entschlossenheit gegen die Entmenschlichung und Entwürdigung zur Wehr setzten.

 

 

Eines Tages, so erzählte sie, fand sie eine Karotte auf dem Weg von der Lagerküche zur Baracke. Blitzschnell bückte sie sich, um diese aufzuheben. Doch anstatt sie nun hungrig hinunterzuschlingen, umschloss sie diese heimlich mit der Faust und brachte sie zurück in ihre Baracke. Wo das Kleinod mit größter Sorgfalt in acht Teile geteilt wurde. Eine verschrumpelte Karotte für acht hungernde Frauen! Wie groß, wie fast übermächtig muss die Versuchung für die junge Batsheva gewesen sein, diesen kostbaren Fund an Ort und Stelle alleine zu vertilgen. Doch dem Überlebensimpuls stand offensichtlich ein noch stärkerer Lebenswille entgegen: das Gemeinschaftsgefühl. Denn gegenseitige Unterstützung und Kooperation gelten von jeher als die wirksamsten Überlebenselixiere in Zeiten der Not. 

 

 

Diese und viele andere Erzählungen, die mir von Überlebenden der Shoah anvertraut wurden, machen mir seit vielen Jahren Mut. Doch auch die Frage hat mich seither nicht mehr losgelassen: Hätte ich die Kraft gehabt, die Karotte zu teilen?

 

Aus dem Buch Teile und werde mehr von Christa Spannbauer

 

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"Berlin ist eine Frau!" Ein fulminanter Chanson-Abend mit Annika von Trier im Salon Flotow

Annika von Trier – eine Künstlerin wie Berlin: keck, forsch, politisch und schnoddrig. Und zugleich sanft und voller Poesie. «AnniKa von Trier ist das singende Berlin-Gedicht» schrieb die Berliner Morgenpost treffend über die vielseitige und kreative Musikerin. Ihr Markenzeichen: das lindgrüne Akkordeon, das sie einst, wie sie an dem Abend erzählte, aus dem Sperrmüll rettete. Ihre Chansons sind anarchisch, witzig, grotesk und voller geballter Lebensfreude. 

 

Am vergangenen Freitag begeisterte sie mit ihrem aktuellen Programm „Gerade jetzt“ die Zuhörer in unserem Salon Flotow im Hansaviertel. „Sie ist eigen, sie ist wild, sie hat nirgendwo ein Ebenbild. Sie ist herb und sie ist zart, Berlin ist gelebte Gegenwart“. Was die Künstlerin in ihrer Liebeserklärung an Berlin singt, trifft im besonderen Maße auch auf sie selbst zu.

 
Mit der Einladung der Chansonsängerin Annika von Trier knüpften Monika Borth und ich ganz bewusst auch an die kulturelle Tradition unseres alt-ehrwürdigen Mietshauses im Hansaviertel an. Hier lebten bis 1933 viele deutsch-jüdische Künstler. Unter ihnen der Direktor des Admiralspalast, Leo Bartuschek, der sein Berliner Zimmer für Konzerte und Lesungen öffnete. Das Haus wurde zum Treffpunkt von bekannten Schriftstellern und Sängern, deren künstlerisches Schaffen bis heute eng mit Berlin verbunden ist. Hier schmetterte die einzigartige Claire Waldoff in den 1920er Jahren ihre frechen Berliner Chansons. Hier las der scharfsinnige Satiriker Kurt Tucholsky seine antifaschistischen Texte. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten erstarb das kulturelle Leben im Haus. Seine jüdischen Bewohner retteten sich ins Exil.

Mit unserem ersten Salonabend im Juni hatten wir mit dem Klezmer-Duo Hannes Daerr und Jule Seggelke und der Zeitzeugin Rahel Mann an die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner erinnert. Und als der vergangene Salonabend schon fast ausgeklungen schien und die meisten Besucher beschwingt nach Hause gegangen waren, sang zu unserer großen Freude Annika gemeinsam mit der irischen Songwriterin Fionnuala Devlin, die an diesem Abend zu Gast war, bis tief in die Nacht hinein jiddische Lieder und Brecht-Songs. Die ehemaligen Bewohner und Salonbesucher des Hauses hätten sicherlich auch daran ihre wahre Freude gehabt.


Unser nächster Salonabend Ende November wird literarischer Natur sein. Die Berliner Autorin Tanja Dückers tritt mit ihrer Lesung aus ihrem Buch „Mein altes Westberlin“ eine Zeitreise ins Milljöh der Mauerstadt an. Und um mit den Worten von Annika von Trier zu enden: „Tja Leute jetzt wisst Ihrs genau, Berlin ist und bleibt eine Frau!“

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Weshalb Dankbarkeit der Schlüssel zum Glück ist

Dankbarkeit lernen wir nicht aus Büchern. Dankbarkeit lehrt uns das Leben und die Menschen, denen wir auf unserem Lebensweg begegnen. Wer nach Vorbildern der Dankbarkeit Ausschau hält, findet sie gerade unter denen, die ihr Vertrauen in das Leben auch in den schweren Zeiten nicht verloren haben. Bei ihnen habe ich offene und warme Herzen gefunden und großes Mitgefühl mit anderen Menschen.

 

So auch bei dem weltweit geschätzten Lehrer der Dankbarkeit, dem Benediktiner David Steindl-Rast. Ich hatte das Glück, ihm einige Male begegnen zu dürfen und Gespräche mit ihm zu führen. Er selbst, so erzählte er, habe Dankbarkeit als Jugendlicher im verwüsteten und ausgehungerten Wien des Zweiten Weltkriegs gelernt. Genau hier, inmitten der Zerstörung und ständig vom Tod bedroht, wurde ihm die einzigartige Kostbarkeit des Lebens bewusst. In dieser Zeit reifte auch sein Entschluss, in den Benediktinerorden einzutreten und sich Zeit seines Lebens für den Frieden einzusetzen. Als einer der ersten christlichen Mönche erhielt er die Gelegenheit, für einige Jahre in einem buddhistischen Zen-Kloster zu leben. „Das dankbare Leben ist die große Frucht meiner Begegnung mit dem Buddhismus“, sagt er heute. Denn hier verneigte man sich vor allem, vor jedem Menschen, jeder Tasse Tee, jedem Raum und selbst vor der Latrine. Bruder David erinnert die Menschen daran, nichts in diesem Leben als gegeben oder selbstverständlich zu erachten, sondern alles, was uns begegnet als Gabe und als Geschenk zu würdigen. Indem wir lernen, unser Herz offen zu halten und dankbar zu sein für alles, was uns begegnet, finden wir zu einem erfüllten Leben. Wir vertrauen uns dem Leben an, sind offen und dankbar für die Überraschungen, die es uns schenkt.

 

Bruder David erkannte: Die Dankbarkeit ist eine spirituelle Praxis, die sehr schnell Resultate zeigt. Wenn wir uns am Morgen vornehmen, dankbar zu sein für alles, was uns an diesem Abend begegnet, werden wir am Abend bereits spürbar glücklicher sein.“ Deshalb erzähle ich In meinem aktuellen Buch Teile und werde mehr Geschichten vom Teilen und von der Dankbarkeit.

 

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Das Glück hängt von den guten Gedanken ab, die du hast!

Weshalb eigentlich fallen uns Sorgen, Grübeleien und negative Gedanken so viel einfacher als glückliche und freudvolle Gedanken? Der Neuropsychologe Rick Hanson hat auf diese Frage eine eindrückliche Antwort gegeben: „Unser Gehirn reagiert auf negative Erfahrungen wie ein Magnet und auf positive wie eine Teflonpfanne.“ Er erklärt, dass unser Gehirn aus evolutionären Gründen darauf geeicht ist, bedrohliche Situationen blitzschnell wahrzunehmen, um darauf reagieren zu können. Deshalb also neigen wir dazu, krampfhaft immer auf das zu blicken, was nicht so gut läuft in unserem Leben. Und dabei so viele Möglichkeiten für positive Eindrücke und glückliche Momente einfach unbeachtet an uns vorüberziehen zu lassen.


Muss das so bleiben? Oder können wir diese Hirnprägung verändern? Können wir glücksversprechende Gedanken vielleicht sogar kultivieren? Und wer kann uns hierfür gute Tipps geben? Diese Fragen mündeten in das Buch Denken macht glücklich. Wie gutes Leben gelingt, das ich gemeinsam mit der Philosophin Katharina Ceming (Foto) im vergangenen Jahr geschrieben habe. Jetzt kommt es in zweiter Auflage heraus. Ein Zeichen dafür, dass unsere philosophische Glückssuche bei unseren Lesern und Leserinnen gut ankam.  


Auf meiner eigenen Glückssuche gibt es zwei philosophische Lehrsätze, die mich sehr geprägt haben: Der erste stammt von dem römischen Philosophenkaiser Marc Aurel, der sagte: „Das Glück hängt von den guten Gedanken ab, die du hast“. Und der zweite Lehrsatz stammt von dem stoischen Philosophen Epiktet: „Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinungen und Urteile über die Dinge.“


Es scheint also tatsächlich unsere Interpretation der Ereignisse zu sein, die über unser Glück oder unser Unglück entscheidet. Was bedeutet, dass wir uns bewusst für eine Perspektive entscheiden können, die glücksversprechend ist. Wir können uns in einem Denken schulen, das nicht Sorgen und pessimistische Befürchtungen schürt, sondern Zuversicht und Gelassenheit fördert. Bereits die antiken Philosophen wussten, dass wir unseren Geist ebenso wie unsere Muskeln trainieren und damit eine positive Geisteshaltung kultivieren können. Darüber haben wir in unserem Buch Denken macht glücklich. Wie gutes Leben gelingt geschrieben. Und deshalb haben wir es mit vielen praktischen Impulsen angereichert, um kognitive Erkenntnisse dann auch wirksam im Alltag umsetzen zu können. 

 

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Weshalb Selbstliebe so wichtig ist und weshalb sie uns oft so schwer fälllt

Das mit der Selbstliebe ist alles andere als einfach. Vielen von uns fällt es erstaunlich schwer, im Alltag fürsorglich und rücksichtsvoll mit uns umzugehen. Anstatt uns in schmerz-lichen Situationen tröstend zur Seite zu stehen, ignorieren wir oft unsere Gefühle, um reibungslos zu funktionieren. Anstatt unser Bedürfnis nach Ruhe ernst zu nehmen, jagen wir uns noch eine weitere Runde durch den hektischen Alltag. Und während wir dafür sorgen, dass es den Menschen um uns herum gut geht, vergessen wir allzu oft uns selbst. Kein Wunder, wenn wir uns erschöpft und überfordert fühlen.

 

Deshalb kam die Psychologin Kristin Neff in ihren Studien zu Selbstmitgefühl zu dem erstaunlichen Schluss: „Niemanden behandeln wir so schlecht wie uns selbst.“  Die neuen Forschungen über Selbstmitgefühl zeigen ganz klar: Wer gut für andere und für die Welt sorgen will, tut gut daran, erst einmal gut für sich selbst zu sorgen. Hierfür ist es wichtig, die eigenen Kraftquellen und Ressourcen zu kennen und diesen im Alltag immer wieder aufzufüllen. Denn ja, wir können uns in Selbstliebe tatsächlich üben. Und dadurch zu mehr Glück, Gelassenheit und Zuversicht in unserem Leben finden. Das durfte ich in meiner Ausbildung in achtsamkeitsbasiertem Mitgefühl selbst erfahren.Und hierfür habe ich in meinem Buch Sei gut zu dir! Die Kunst der Selbstliebe viele Inspirationen und wirksame Übungen verfasst. Eine besondere Freude ist es mir, in meinen Selbstfürsorge-Seminaren andere Menschen daran teilhaben lassen zu können.

Wer mehr über meine nächsten Seminare in Würzburg und Berlin (dieses gemeinsam mit meiner geschätzten Kollegin Manuela Lucht) erfahren möchte, findet hier alle Infos. www.christa-spannbauer.de

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Vergebung ist ein Kraftakt. Weshalb es trotzdem lohnt, sich auf diesen anstrengenden Weg der Befreiung zu machen

 

So sehr wir es uns auch wünschen würden: Wir bleiben in diesem Leben vor Verletzungen und Kränkungen einfach nicht verschont. Wir können uns auch nicht vor dem Schmerz schützen, der dadurch ausgelöst wird. Wie aber wollen wir damit umgehen? Wollen wir Verletzungen zum Anlass für Wut, Ärger, Bitterkeit und Vergeltung nehmen? Wollen wir uns rächen und dadurch den Kreislauf von Gewalt und Aggression weiter anheizen? Oder entscheiden wir uns für eine besonnene Reaktion, die weder uns noch den anderen Schaden zufügt?

 

Ganz sicher ziehen wir die letztere Variante vor. Zumindest theoretisch. Doch seien wir ehrlich: Wir alle kennen den Drang nach Rache nur allzu gut. Wir wollen es dem anderen heimzahlen. Soll er doch auch mal spüren, wie sich das anfühlt!

 

Der Wunsch nach Vergeltung ist durchaus verständlich. Eine Lösung jedoch ist er nicht. Was aber kann uns bei der Entscheidung zur Vergebung unterstützen? Mit dieser Frage habe ich mich in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt. Anlass dafür waren meine Begegnungen mit Überlebenden der Shoah. Mit Menschen also, die grauenhaften Angriffen auf das eigene Menschsein ausgesetzt waren. Und die Zeit ihres Lebens nach Wegen suchen mussten, um mit den dadurch ausgelösten Verletzungen umzugehen. Von ihnen habe ich die wichtigsten Lektionen über Vergebung gelernt. Sie wurden zu meinen Vorbildern der Menschlichkeit.

 

Allen, die sich auf den Weg der Vergebung machen wollen, rate ich daher an, sich Vorbilder zu suchen. An ihnen können wir wachsen, von ihnen können wir lernen, welche Ressourcen wir brauchen, um uns diesem Kraftakt zu stellen. In dem Buch Mut zum Leben erzähle ich gemeinsam mit meinem Kollegen Thomas Gonschior die bewegenden Geschichten von vier Shoah-Überlebenden und deren Entscheidung für Menschlichkeit nach erlittenem Unrecht. Denn wie Jehuda Bacon (siehe Foto) sagte: „Wer in der Hölle war, weiß, dass es für das Gute keine Alternative gibt.“

 

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Philosophy meets Spirituality: Wieso Denken glücklich macht und Spiritualität in den Notfällen des Lebens hilft

Auf meiner Sommer-Süddeutschlandreise besuchte ich kürzlich meine geschätzte Kollegin, die Philosophin Katharina Ceming. Ich lernte sie vor etwa 10 Jahren bei einem ihrer inspirierenden Vorträge über die östliche Mystik kennen. Ich war damals Öffentlichkeitsbeauftragte des Spirituellen Zentrums „Benediktushof“ und hatte sie zu diesem Vortrag eingeladen.

 

Die kluge und wortgewandte Philosophin war mir sofort sympathisch. Und so entstanden über die Jahre durch unseren gemeinsamen Themenschwerpunkt - die östliche und westliche Weisheit – eine kreative Freundschaft und damit auch die Idee zu unserem ersten gemeinsamen Buch Der spirituelle Notfallkoffer. Dieses Erste-Hilfe-Programm für die Notfälle des Lebens wurde zu einem großen Erfolg.

 

Und so schrieben wir schon bald an dem Nachfolgerbuch  Denken macht glücklich. Während unser erstes Buch mehr im Zeichen der östlichen Weisheit stand, stellten wir in unserem zweiten Buch die klassische westliche Philosophie und die Frage nach dem guten und gelingenden Leben in den Mittelpunkt.

 

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Flotow 11 - der kulturelle Salon im Hansaviertel. Mit der Eröffnung unseres Salons knüpften wir an bewegte und bewegende Zeiten Berlins an.

Für mich ist es eine glückliche Fügung, im Hansaviertel zu wohnen. Vor zwei Monaten bin ich in das große alte Haus in der Flotowstraße gezogen. Und lernte schon kurz darauf meine Mitbewohnerin aus dem 4. Stock, Monika Borth, kennen. Vom ersten Augenblick an mochten wir uns und entdeckten viele Gemeinsamkeiten. Als sie mir von der bewegten Geschichte des Hauses erzählte und davon, dass bereits in den 1920er Jahren ein kultureller Salon in der Wohnung des damaligen Direktors des Admiralspalasts, Leo Bartuschek, existierte, beschlossen wir beide umgehend: Wir werden an die Tradition des kulturellen Salons anknüpfen.


Mit der Eröffnung des Salons, die vor zwei Tagen in unserem bis zum letzten Platz gefüllten Salon stattfand, erinnerten wir an die Menschen, die in den freigeistigen 1920er Jahren Berlins hier lebten und an die berühmten Künstler und Künstlerinnen, die in diesem Haus ein- und ausgingen, unter ihnen Kurt Tucholsky, Cläre Waldoff und Käthe Kollwitz. Und wir erinnerten an die jüdischen Bewohner, die in den darauffolgenden dunklen Jahren des Nationalsozialismus das Haus verlassen mussten, um sich ins Exil zu retten. Musikalisch knüpften wir an die jüdischen Wurzeln des Hauses mit dem großartigen Klezmerduo Hannes Daerr an der Klarinette und Jule Seggelke am Akkordeon an.


In einer  Lesung aus ihrem vor kürzlich fertiggestellten Manuskript „Die Stimme meiner Schwester“ zeigte Monika Borth eindrücklich auf, wie die Kindheit im Krieg und in der Nachkriegszeit bis heute Auswirkungen auf unser Leben hat.

 

Der zweite Teil des Abends stand ganz im Zeichen von Widerstand und Überleben. Als unseren Ehrengast konnten wir die Zeitzeugin Rahel Mann begrüßen, die als Kind in einem Keller in Berlin versteckt den Holocaust überlebte. Die Lebensfreude und der Lebensmut der 80-jährigen machten einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer.

 

Mit ihrer Geschichte erinnert sie auch daran, dass in Berlin etwa 6000 Juden und Jüdinnen untertauchten, um der Verfolgung durch die Nazis zu entkommen. Für jeden Untergetauchten brauchte es im Durchschnitt sieben nichtjüdische Helfer, um deren Überleben durch Wohnung, Fälschung von Pässen und Lebensmittelkarten, etc. zu sichern. Mit ihrem Einsatz für ihre verfolgten Mitbürger zeigten die "stillen Helden" auf, dass man sehr wohl etwas tun konnte gegen das Unrecht und dass die Handlungsspielräume weit größer waren als unsere Eltern und Großeltern uns immer glauben machen wollten. Über die Rettungsgeschichte von Rahel Mann habe ich den Artikel „Ich habe die Nazis überlebt“ auf dem Online-Portal „Ethik heute“ verfasst.
 
  

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Verena Kast, der Neptun und ich. Weshalb mein Gespräch mit der Psychoanalytikerin unter einem guten Stern stand

Mein Gespräch mit der renommierten Psychoanalytikerin stand unter einem guten Stern. „Wo wollen wir denn das Foto machen? fragte ich Verena Kast nach unserem gemeinsamen Gespräch in ihrem Berliner Hotel noch etwas ratlos. Diese erblickte an der Wand des Hotels großflächige Fotos der Planeten und steuerte zielstrebig auf den Neptun zu. Sicherlich kein Zufall. Steht doch der Neptun astrologisch für die Menschenliebe, für Mitgefühl und Inspiration. Und diese Eigenschaften sind geradezu kennzeichnend für die mittlerweile 74-jährige Schweizer Psychotherapeutin und Analytikerin.


Unser Gespräch drehte sich um ihre großen Themen Hoffnung, Zuversicht und Freude. Sind diese doch gerade heute, in einer Zeit, in der viele Menschen Angst vor einen ungewissen Zukunft erfasst, wichtiger denn je. In dieser Hinsicht sind Verena Kast ebenso wie ich zutiefst von dem Philosophen Ernst Bloch und dessen Aufruf geprägt, den er uns in einer der dunkelsten Zeiten der Menschheit, dem Zweiten Weltkrieg, ins Stammbuch schrieb: „Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen.“ Denn: „Die Hoffnung ersäuft die Angst.“

 

Für Verena Kast bezeugen die Worte von Ernst Bloch, dass die Hoffnung im Menschen ursprünglicher ist als die Angst und dass sich Menschen eben deshalb zur Hoffnung entschließen können.

 

„Beziehen wir uns auf die Emotion der Hoffnung und auf die Emotion der Freude, als der kleineren Schwester der Hoffnung, können wir den Herausforderungen zuversichtlicher begegnen, werden wir weniger in Gefahr sein, zu resignieren“, sagt sie.


Das Gespräch mit Verena Kast über die Hoffnung erscheint in Kürze auf der Online-Plattform Ethik heute.  

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"Zum Mitgefühl gehört auch das Lachen." Mein Gespräch mit der Traumatherapeutin Luise Reddemann über die Quellen von Trost und Mitgefühl.


Für meinen Artikel „Das Engagement des Herzens“, erschienen in der österreichischen Zeitschrift Welt der Frau“ hatte ich die Gelegenheit, die von mir hochgeschätzte Traumatherapeutin Luise Reddemann über die Grundlagen des Mitgefühls zu befragen.

Mitgefühl und Trost galten in der Psychotherapie und Psychiatrie lange als verpönt. Sie selbst sind eine entschiedene Verfechterin des Trostes. Weshalb ist Mitgefühl für den Heilungsprozess so wichtig?

 

Mitgefühl ist eine Art von Liebe oder auch Zuwendung. Vor allem, wenn wir leiden, benötigen wir dringend Mitgefühl für uns selbst und das kann angestoßen werden, wenn die, die uns betreuen oder behandeln uns mitfühlend begegnen. Jeder Mensch, der das in schwierigen Momenten erlebt hat, weiß um die Erleichterung, die sich dadurch einstellen kann.

Was lehrten Sie Ihre Erfahrungen mit traumatisierten Menschen im Hinblick auf Mitgefühl? 

 

Dass es wichtig ist achtsam, offen, neugierig, mutig und eben auch mitfühlend zu sein. Und dass es selten hilfreich ist, zu meinen, ich wisse besser, was gut ist für andere als diese selbst. Das nenne ich Würdeorientierung, die untrennbar zum Mitgefühl gehört.
Mitgefühl allein ist im Übrigen nicht alles, sondern wir brauchen, um  mit Leichtigkeit mitfühlend sein zu können, Gelassenheit und die Bereitschaft, freundlich zu sein- was ja auch geübt sein will – sowie Freude. Denn nur wenn wir uns erlauben in Behandlung und Begleitung gemeinsame Momente der Freude zuzulassen, gemeinsam zu lachen, dann gelingt auch Mitgefühl immer wieder. Sogar mit einer gewissen Leichtigkeit.

Menschen in helfenden und heilenden Berufen wird häufig dazu geraten, sich von den Patienten und deren Leid abzugrenzen, um  „Empathiestress“ zu vermeiden. Was meinen Sie dazu und wozu würden Sie raten?


Empathie bedeutet ja Einfühlung und Einfühlung allein genügt eben nicht. Denn dann kann es geschehen, dass man sich völlig mit der anderen Person identifiziert und das kann Ohnmacht erzeugen und tatsächlich krankmachend wirken. Mitgefühl bedeutet hingegen, sich nicht nur einzufühlen, sondern ins Handeln zu kommen, also Heilsames bewirken zu wollen. Dazu braucht es auch Kreativität und vor allem Bescheidenheit, wenn nicht sogar Demut. Wir haben nicht alles in der Hand, wie wir gerne glauben möchten. Darüber hinaus kann helfen, zumindest hilft mir das, sich die Verbundenheit bewusst zu machen.
Ich empfehle allen Menschen in helfenden Berufen außerdem, dass sie mitunter mutig ihre „dunklen“ Seiten und Erfahrungen anschauen, dass sie sich eingestehen, dass man nicht immer alles richten kann, um dann wieder Mut zu schöpfen und in eine liebevolle Geste oder zu liebevollen Worten zu kommen .

Können wir Mitgefühl im späteren Leben aktivieren, wenn wir es als Kind nicht erfahren haben und es uns nicht vorgelebt wurde?
Mitgefühl lässt sich auch bei Menschen entdecken, die es als Kinder nicht erlebt haben. Offensichtlich bringen viele Menschen, wenn vielleicht auch nicht alle, zumindest eine Sehnsucht danach mit. Gerade Menschen in helfenden Berufen können davon profitieren, wenn sie sich zunächst bewusst machen, dass es bei ihnen selbst und bei anderen, die sie begleiten, das Bedürfnis nach Mitgefühl gibt, und sie sich dann bewusst in Mitgefühl üben. Das kann durch Achtsamkeitspraxis geschehen oder auch mit spezifischen Übungen zum Mitgefühl für sich und andere. Man muss auch bereit sein anzuerkennen, dass Erfahrungen schmerzen können und diesen Schmerz nicht immer gleich verdrängen und verleugnen, was häufig geschieht. Dies wiederum gelingt nach meiner Erfahrung am besten, wenn man offen ist für Schmerz und Freude.

Hier können Sie den vollständigen Artikel Das Engagement des Herzens lesen.

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"Ich habe die Nazis überlebt", sagt Rahel Mann gelassen. Als Kind war sie in einem Keller in Berlin versteckt.

Rahel Mann ist eine kraftvolle und lebensfrohe Frau. Heute wurde sie im Schöneberger Rathaus anlässlich ihres 80. Geburtstags geehrt. Prächtig sah sie aus in ihrem roten Kleid mit den großen bunten Blumen.

 

In diesem Berliner Kiez ist sie aufgewachsen, hier wurde sie von einer mutigen Arbeiterfrau im Keller ihres Wohnhauses vor der Gestapo versteckt. Und hier lebt sie heute noch. Aufgrund ihrer eindrucksvollen Geschichte und ihrer engagierten Zeitzeugenarbeit ist sie eine bekannte und hoch geschätzte Bürgerin.


Woher nur nahm sie als Kind die Kraft, diese Monate ganz allein im Keller versteckt zu überstehen? Und wer waren die mutigen Menschen, die für sie ihr Leben riskierten? Das wollte ich von ihr wissen. Auf dem Online-Portal Ethik heute ist mein Artikel anlässlich ihres 80. Geburtstags erschienen.


Zu meiner besonderen Freude wird Rahel, mit der mich seit unserer ersten Begegnung 2013 eine große Sympathie verbindet, bei der Eröffnung unseres neuen Salons im Hansaviertel zu Gast sein und uns ihre Lebensgeschichte erzählen.

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„Empört euch und wehrt euch und liebt euch und widersteht!“ Hommage an einen widerständigen Freund

Seine Lieder von geballter Lebensenergie, von trotzigem Widerstand, großer Poesie und zärtlicher Liebeskraft hatten es mir schon als Jugendliche angetan. Kennengelernt habe ich ihn vor 10 Jahren. Seitdem verbinden uns freundschaftliche Bande, die immer wieder in gemeinsame Projekte mündeten. So etwa das Buch mit dem Zen-Meister Bernie Glassman Die revolutionäre Kraft des Mitgefühls. Und  der Film Mut zum Leben, für den er mit Esther Bejarano auf der Bühne stand und  sein großartiges „Sage nein!“ sang.

Mit seinem gesellschaftspolitischen Engagement eckte Konstantin an wie kaum ein anderer deutschsprachiger Künstler. „Alt-68er“ schimpfen ihn die Konservativen, einen „Gutmenschen“ nennen in die Neoliberalen.


Immer schon war er einer, der das Leben in seine Arme riss, es in vollen Zügen auszukosten suchte, unablässig auf der Suche nach dem Paradies, aus dem er ebenso oft wieder vertrieben wurde. Geschliffen hat ihn das Leben, weiser gemacht haben ihn seine Niederlagen.


Erklärtermaßen waren es die Irrungen und Verwirrungen seines Lebens, die ihn zu dem machten, der er heute ist: Eine kraftvolle und facettenreiche Persönlichkeit, sensibel, sanft und zornig, nach wie vor ein wilder, mittlerweile auch weiser Mann, ein friedliebender Pazifist und ein lautstarker Revoluzzer, der nicht nur zum politischen Widerstand, sondern ebenso auch zur stillen Meditation aufruft und dem es neben all dem auch noch gelingt, diese Widersprüche mit einem lächelnden Augenzwinkern in sich zu vereinen. 


„Noch kriegt ihr mich nicht dran, es gibt noch viel zu viel zu tun, auf diesem Lorbeer, der erstickt und träge macht, will ich nicht ruhn“, sang er in den 1970er Jahren. Heute, an seinem 70. Geburtstag gilt dies wie eh und je.

Chapeau, alter Freund, wie gut, dass es dich gibt!

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Die Revolution der Zärtlichkeit. Ein Plädoyer der Verbundenheit von Gerald Hüther & mir.

2013 schrieben Gerald Hüther & ich in unserem gemeinsamen Buch Connectedness. Warum wir ein neues Weltbild brauchen ein "Plädoyer der Verbundenheit", das in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Brennstoff" veröffentlicht wurde. Das Plädoyer ist heute, in der der angespannten Weltlage, aktueller denn je. Unter anderem schrieben wir in diesem Plädoyer:

 

"Die erste Frage des Mitgefühls lautet immer: »Was wird ge­braucht?« Die Antwort darauf kann nur darin bestehen, anzupacken und es zu tun. Wenn wir erfahren und spüren können, dass wir selbst Teil des lebendigen Organismus der Erde sind, weder ü̈ber noch jenseits von ihr stehen, sondern zutiefst in ihr beheimatet und in ihren Kreislauf eingebunden sind, dann läutet dies das Ende unserer an­thro­­pozentrischen Herrschafts- und Allmachtsphantasien ein. Wir erleben uns nicht mehr länger als Bezwinger, sondern als Partner der Erde. Und als solche kann es uns gelingen, unsere Entdeckerfreude, Begeisterungsfähigkeit und Gestaltungslust in lebensbejahende Bahnen zu lenken und nachhaltige Projekte zu fördern, die das Leben bewahren, so dass wir die Welt heil an unsere Kinder und Enkelkin­der übergeben können."

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Epikur, Cora & die Philosophie der Freude

„Wenn du nach einer schlimmen Nachricht still sitzen bleiben kannst, wenn du bei finanziellen Verlusten total ruhig bleibst, wenn du kein bisschen neidisch auf die tollen Urlaubsreisen bist, die deine Nachbarn ständig unternehmen, wenn du immer vergnügt isst, was auf den Teller kommt, wenn du nach einem anstrengenden Tag ohne einen Tropfen Alkohol oder eine Tablette einschlafen kannst, und wenn du immer zufrieden sein kannst, wo du auch bist – dann bist du wahrscheinlich ein Hund.“


Dieser Erkenntnis des buddhistischen Lehrers Jack Kornfield kann ich mich an dieser Stelle nur anschließen. Meine Hündin Cora ist eine wahre Lebenskünstlerin. Und sie lehrt mich jeden Tag viel über die Kunst des guten Lebens.

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"Entspanne dich. Laß das Steuer los. Trudele durch die Welt. Sie ist so schön: gib dich ihr hin, und sie wird sich dir geben." Kurt Tucholsky

Seit Tagen flaniere ich in Gedanken an Kurt Tucholsky durchs Berliner Hansaviertel. Nicht weit von meinem neuen Domizil entfernt wurde er geboren. Und an so manchen Abenden stieg er die Stufen zum Salon im ersten Stock empor, vorbei an der Wohnungstür, hinter der ich heute wohne und arbeite. Und wo seine gesammelten Werke in meinem Bücherregal stehen. Schon in jungen Jahren hatte der aufrechte Literat mein Herz mit seinem Mut und seinem Charme erobert.

 

Wenn ich abends vor die Wohnungstür trete, kann ich ihn fast vor mir sehen, wie er die Stufen unserer Eingangshalle pfeifend emporspringt und dabei seinen Spazierstock schwingt. Wie er im Salon des Gastgebers Leo Bartuschek von seinen Künstlerkollegen freudig empfangen wird. Und wie er mit seinen politischen Satiren unterhaltsam brilliert. Ganz sicher flirtete er mit den Frauen. Ganz sicher sprach er ausgiebig dem Wein und gutem Essen zu. Denn ja, Kurt Tucholsky liebte das Leben. Und er liebte die Frauen. Und die Frauen liebten ihn, den dicken Mann.


Er war ein überzeugter Humanist und geradezu beseelt von der Hoffnung auf eine bessere Welt. Und musste doch mitansehen, wie die Welt um ihn herum in Scherben fiel. Schon frühzeitig erkannte er, was sich in Deutschland zusammenbraute. Bewaffnet mit seiner Schreibmaschine versuchte er, die Menschen wachzurütteln und die nahende Katastrophe aufzuhalten. Als er die Vergeblichkeit seines Tuns erkannte, verließ er Berlin und emigrierte nach Schweden. Doch wie sollte er, der Mann mit dem goldenen Herzen und der eisernen Schnauze nicht verzweifeln an den politischen Geschehnissen in seinem Heimatland? Zwei Jahre nach Machtergreifung der Nationalsozialisten nahm er sich das Leben.


„Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“ (Kurt Tucholsky)



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Wo Künstler einst ein- und ausgingen: Ein Berliner Salon am Tiergarten

Seit drei Wochen lebe ich nun am Berliner Tiergarten in diesem alten und ehrwürdigen Haus in der Flotowstraße. Das Haus selbst ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen, doch mit seiner zeitlosen Eleganz und seiner mächtigen Marmor-Eingangshalle kündet es selbstbewusst von einer großen Vergangenheit.

 

In den 1920er Jahren lebten hier viele deutsch-jüdische Künstler. In der Wohnung über uns hatte der Direktor des weltberühmten Admiralspalast, Leo Bartuschek, seine Wohnung und öffnete seinen Salon für Konzerte, Performances und Lesungen. Das Haus wurde zum Treffpunkt von bekannten Schriftstellern, Sängern, Tänzern und Malern, deren künstlerisches Schaffen bis heute eng mit Berlin verbunden ist.

 

Die einzigartige Claire Waldoff schmetterte hier ihre kecken Berliner Chansons wie Nach meene Beene is ja janz Berlin verrückt.  Die Tänzerin Grete Wiesenthal schwebte voller Anmut und Eleganz durch die Räume, und der scharfsinnige Satiriker Kurt Tucholsky las hier seine Texte gegen den aufkommenden Faschismus.

  
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten erstarb das kulturelle Leben in der Flotowstraße. Seine Bewohner retteten sich ins Exil. Die Stolpersteine vor unseren Nachbarhäusern zeugen davon, dass viele andere Bewohner unserer Straße der Deportation und Ermordung nicht entkommen konnten.
Mit unserem kulturellen Salon knüpfen wir ganz bewusst an die bewegte Geschichte dieses Hauses und seiner Bewohner und Gäste an und halten die Erinnerung an sie lebendig. 

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"Wende dich nicht ab, halte den Blick auf die wunde Stelle gerichtet, denn dort tritt das Licht ein."

Den weisen Worten des Sufi-Mystikers Rumi kann ich nur aus ganzem Herzen zustimmen. Denn auch ich durfte immer wieder erfahren: Wer sich achtsam und mitfühlend dem Leid im eigenen Herzen zuwendet, bringt Heilung in das eigene Leben und das der Menschen um sich herum.

 

Nein, ein einfacher Weg ist das nicht. Er braucht Mut, Entschlossenheit und einen langen Atem. Doch der Schlüssel liegt in unserer Hand. Vergebung ist ein Akt der Stärke. Und ein Akt der Liebe. Sie befreit den, der sie gibt und den, der sie empfängt. Wie wir mit Verletzungen umgehen, zeigt, wer wir sind, woran wir glauben und was uns wichtig ist im Leben.

 

Ich hatte das Glück, Menschen begegnen zu dürfen, die mich in dieser Hinsicht viel gelehrt haben. Für den Film „Mut zum Leben“ begleitete ich für einige Jahre vier Überlebende der Shoah. Menschen, die trotz des Entsetzlichen, das ihnen angetan worden war, heute frei sind von Bitterkeit und Hass. In vielen intensiven Gesprächen erwuchs mir über die Jahre ein Verständnis dafür, welche Ressourcen und Lebensentscheidungen es sind, die Menschen dazu befähigen, nach schweren Verletzungen und traumatischen Erfahrungen ihr Vertrauen in das Leben und ihre Versöhnungsbereitschaft zu bewahren. Ohne diese wichtigen Begegnungen mit Jehuda Bacon, Esther Bejarano, Èva Pusztai-Fahidi und Greta Klingsberg, meinen großen Lehrern der Menschlichkeit, wäre mein neues Buch Vergebung befreit nicht möglich gewesen.

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"Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen."

Als ich kürzlich für einen Artikel zum Thema „Angst“ recherchierte, bin ich wieder einmal auf den Philosophen Ernst Bloch aufmerksam geworden. Ich gestehe, dass ich sein monumentales Werk „Das Prinzip Hoffnung“ bislang erst in kleinen Ausschnitten gelesen habe. Ob ich die 1000-seitige gehaltvolle Lektüre eines Tages schaffen werde, ist ungewiss. 

 

Ich habe jedoch in den vergangenen Tagen viel über sein Leben gelesen und markante Zitate aus seinem Werk zusammengetragen. Und ich bin tief beeindruckt von dem Mut und der Zuversicht dieses Mannes und ganz besonders von seinem unzerstörbaren Vertrauen in die Menschen. War er doch selbst Zeit seines Lebens ein Vertriebener und Gejagter. Vor dem Ersten Weltkrieg floh der überzeugte Pazifist in die Schweiz und als Hitler an die Macht kam, floh der jüdische Philosoph ins Exil nach Amerika. Dort schrieb er sein dreibändiges Werk „Das Prinzip Hoffnung“, in dem er die Utopie eines mit der Natur und dem Kosmos versöhnten Menschen entwirft. Hier finden wir Worte von poetischer Schönheit und großer Zuversicht: „In unseren Tagträumen zeigt sich die mögliche Zukunft, mit unserer Phantasie schweifen wir in ein Wunderland der Hoffnung“.


Unmissverständlich machte er deutlich, dass wir für unser Leben und dessen Gestaltung die alleinige Verantwortung tragen:

„Wir sind nicht einfach nur, wer und was wir sind, sondern auch das, was wir sein können, sein wollen, zu sein erhoffen.“


Und er macht uns heute, in diesen weltpolitisch so schwierigen Zeiten, Mut, nicht aufzugeben und die Hoffnung niemals zu verlieren, denn: "Man muss ins Gelingen verliebt sein, nicht ins Scheitern.“
Danke, Ernst Bloch!

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Die Kraft der Vergebung

Die Bereitschaft, sich beherzt einen Weg durch das Leid zu bahnen und sich mit dem eigenen Schicksal auszusöhnen, gilt in der Psychologie als eines der auffälligsten Merkmale seelisch widerstandsfähiger Menschen. Selbst schwere Verletzungen können ihr grundlegendes Vertrauen in das Leben nicht zerstören. Die erstaunliche Fähigkeit von Menschen, schmerzvolle Lebenserfahrungen nicht nur zu meistern, sondern gegen alle Wahrscheinlichkeit auch noch menschlich daran zu wachsen und zu reifen, ist in der Resilienzforschung als posttraumatisches Wachstum bekannt. Meine Begegnungen mit dem Shoah-Überlebenden Jehuda Bacon bestätigen dies. In einem Interview für unseren Film MUT ZUM LEBEN sagte er: „Das Leid hat mich als Mensch vertieft.“


Als Kind hat er Theresienstadt und Auschwitz überlebt. Wer dem israelischen Maler heute begegnet, ist von seiner Güte und Weisheit beeindruckt. Keine Bitterkeit ist in seinen Worten zu finden. „Wenn ich hasse, hat Hitler gewonnen, dann hat er mich auch infiziert“, sagt er. Sein lebenslanges Anliegen ist es, das erfahrene Leid nicht zu verdrängen, sondern künstlerisch und menschlich zu verarbeiten und für etwas Positives zu transformieren. Denn: „Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt.“ Als einer der ersten Überlebenden der Shoah suchte er das Gespräch mit Deutschen und stellte sich bereits in den 1950er Jahren als Dialogpartner der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste zur Verfügung. „Zu mir kamen viele jüngere Menschen, um mich zu fragen, ob ich ihnen verzeihen könne. Selbstverständlich dachte ich dabei auch immer an all die Menschen, die umgekommen sind, besonders an meine Eltern und meine Schwester. Was würden sie dazu sagen? Doch letztlich konnte nur ich selbst eine Antwort geben. Ich sagte mir, dass ich damit vielleicht etwas beitragen kann für ein besseres Verständnis der Menschen untereinander.“ 


In seinen weltweit ausgestellten Gemälden bringt er diese auf Versöhnung  ausgerichtete Haltung nach außen, die auf einer Verwandlung des Leides im Innen gründet. „Die Erfahrungen in den Konzentrationslagern sind Teil meines Lebens und mein Ziel war es, auch diese Erfahrungen in etwas Positives umzuwandeln. Ich versuchte, daran zu reifen, menschlich und auch in meinem künstlerischen Schaffen. Es ging mir darum, dem ganzen Leben – in meinem Fall war das auch Auschwitz – einen Sinn zu geben.“


Menschen wie Jehuda Bacon zeigen uns, dass wir die Vergangenheit zwar nicht mehr verändern können, doch unsere Einstellung ihr gegenüber. Und sie weisen darauf hin, dass wir uns sogar dafür entscheiden können, erlittenem Unrecht einen Sinn zu verleihen. Auf die meisten Dinge, die uns im Leben zustoßen, haben wir tatsächlich keinen Einfluss. Worauf wir jedoch einen Einfluss haben, ist unsere Reaktion darauf. Oft quälen wir uns viel zu lange mit der Frage: „Warum nur ist mir dies geschehen?“. Wenn wir uns hingegen der Frage öffnen: „Was kann ich aus dem Erlittenen für mein weiteres Leben und das der anderen lernen?“, eröffnen sich uns ganz neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten. Daraus erwächst uns die Kraft,  erlittene Verletzungen als Entwicklungs- und Transformationspotenzial zu begreifen und dem erfahrenen Leid einen Sinn abzuringen.

 

Es sind Menschen wie Jehuda Bacon, die mich zu meinem Buch VERGEBUNG BEFREIT inspiriert haben, in dem es um die heilende Kraft der Vergebung geht.

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Du bist so wunderbar, Berlin!

Nun lebe ich bereits seit  10 Tagen am Tiergarten im Herzen Berlins. Welch glückliche Fügung! Zwar war mein Wegzug aus Kreuzberg nicht ganz freiwillig, da mir wegen Eigenbedarfs die Wohnung gekündigt wurde. Doch so ist es ja mitunter im Leben: Wäre ich nicht aus meinem gemütlichen Kreuzberger Nest herauskatapultiert worden, würde ich nun nicht an diesem Naturparadies leben. Jeden Morgen laufe ich mit meiner Hündin Cora durch den Wald an den Seen vorbei, Hasen sitzen auf den Wiesen, Füchse laufen über den Weg und die Vögel stimmen ihr mächtiges Morgenkonzert an. Dat is Berlin, wa! 

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Heute ist ein guter Tag!

 

„Welcher Tag ist heute?“ fragt Pu der Bär. „Heute ist heute“, antwortet Ferkel. „Oh, das freut mich aber“, sagt Pu der Bär, „denn heute ist mein Lieblingstag.“

 

Wer kennt ihn nicht, den unbeschwert durchs Leben tapsenden Bilderbuchbären? Und wer wünscht sich nicht mitunter dessen Fähigkeit, das Leben so zu genießen, wie es ist? Interessanterweise unterscheiden sich die Lebensweisheiten des pummeligen Bären kaum von den Erkenntnissen der großen Weisen. Denn nichts anderes brachte Zen-Meister Ummon mit seinen Worten zum Ausdruck: „Jeder Tag ist ein guter Tag“. Aber wusste der weise Mann denn nicht, dass es Tage gibt, die alles andere als gut sind? Kannte er denn keine Zeiten der Not, der Krankheit, der Einsamkeit? Offenbar liegt den Worten des Zen-Meisters ebenso wie denen des pummeligen Bären eine tiefere Erkenntnis zugrunde. Beide wollen uns dazu ermutigen, jedem neuen Tag offen, neugierig und positiv gestimmt zu begegnen. Weniger zu werten, sondern das anzunehmen, womit das Leben uns heute überrascht, beschenkt oder auch behelligt. Nichts Besonderes zu erwarten, sondern das Leben an sich wertzuschätzen. Zu erkennen, dass auch die schwierigen Etappen das Potenzial in sich tragen, den Tag zu einem guten Tag zu machen. Denn sind es nicht gerade die schmerzhaften Zeiten, die uns in die eigene Tiefe führen und in intensiven Kontakt mit unseren Gefühlen bringen? Vielleicht erkennen wir dann eines Tages, was Zen-Meister Ummon meinte, als er ausrief: „Alles ist gesegnet, zehntausendfach gesegnet“.

 

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Denken macht Jugendliche glücklich

Ein Schuljahr lang lasen 70 SchülerInnen des österreichischen Gymnasiums in Gmunden das Buch "Denken macht glücklich. Wie gutes Leben gelingt", das ich im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Philosophin Katharina Ceming schrieb. Nicht nur die Lehrerin, sondern auch die SchülerInnen genossen die Philosophiestunden. Die Lehrerin Silvia Plasser schrieb uns: „Das Schöne an diesem Projekt war, in jeder Doppelstunde lächelnde, zufriedene, entspannte Gesichter zu sehen, und dass die Jugendlichen verstanden haben, dass Denken und Philosophie zum Menschsein, speziell zu ihrem Menschsein gehört und dass Lernen und Intelligenz ein sehr weites Feld sind“.

Ganz besonders gefreut habe ich mich über Rückmeldungen der Jugendlichen wie diese: „Das Buch hat mir ins Gedächtnis gerufen, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist und wir das Beste daraus machen sollten. Eine sehr gute Hilfestellung, um sich daran zu erinnern, dass das Leben auch dazu da ist, es zu genießen und Freude und Dankbarkeit zu empfinden.“

 

 

 

 

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