Der Abend, an dem Beethoven und Schumann in unserem Haussalon lebendig wurden

Eine „unerhörte Musikalität“ bescheinigt ihr Daniel Barenboim: Leonie Rettig, die mit ihren 27 Jahren zu den großen Nachwuchskünstlerinnen am Piano zählt. Vor kurzem durften meine Salonfreundin Monika Borth und ich sie in der Philharmonie erleben. Am vergangenen Freitag gab sie uns die Ehre zu einem fulminanten Klavierabend in unserem kulturellen Salon. Und machte uns und den eingeladenen Musikbegeisterten damit ein einzigartiges Geschenk. Was für ein Talent, welch eine Ausdruckskraft und Musikalität! Die junge Pianistin brachte mit ihrem virtuosen und empfindsamen Spiel den 100-jährigen Flügel in Monikas Wohnung zum Singen und Frohlocken.

 

Zwei große Klavierwerke der Musikgeschichte hatte sie für uns vorbereitet: Beethovens Waldsteinsonate, deren Klangfülle und Verspieltheit eine große technische Virtuosität ebenso erfordert wie Robert Schumanns Fantasie in C-Dur, eine der bedeutendsten und auch herausforderndsten Klavierkompositionen der Romantik. Erstaunlich, mit welcher menschlichen Reife die junge Pianistin diesen großen Werken von Beethoven und Schumann ihren ganz eigenen künstlerischen Ausdruck verlieh. Sie schien alle Töne bis in die Tiefe durchatmet und durchdrungen zu haben, das ganze musikalische Gewebe der Partituren in die Zellen des eigenen Körpers aufgenommen zu haben.

 

Es war für alle Anwesenden ein einzigartiges Konzerterlebnis: leidenschaftlich, ergreifend und mitreißend. „Das war einer der großen ekstatischen Momente meines Lebens“, schwärmte die irische Songwriterin Fionnuala Devlin nach dem Konzert hingerissen. Und der 85-jährige Galerist Otto Wieghardt sagte: „Ich habe schon viele Interpretationen der Klavierstücke des heutigen Abends gehört, doch keine hat mich so tief beeindruckt wie die Interpretation von Leonie Rettig.“ 

 

»She is an extraordinarily gifted pianist with the most beautiful combining of a great depth in musical feeling with a fantastic technique – her pianistic possibilities  are huge”, schrieb der große russische Pianist Vladimir Krainev über sie. Wenn sie heute über ihn, ihren viel zu früh verstorbenen Lehrer spricht, erfasst sie Traurigkeit. Und als ihr Monika eine frühe Schallplatte von ihm als Dank überreichte, liefen ihr die Tränen übers Gesicht. Wir alle erhielten eine Ahnung davon, wie tief die Verbundenheit zwischen dem berühmten Lehrer und seiner talentierten Schülerin auch über den Tod hinweg ist.  

 

Den Kontakt zu der jungen Künstlerin verdanken wir Rudolf Weinsheimer,  dem heute 89-jährigen ehemaligen Cellisten der Berliner Philharmoniker und Gründer der weltberühmten „12 Cellisten“. Er wurde vor einiger Zeit durch meine Bücher auf mich aufmerksam und rief mich eines Tages an, um mit mir darüber zu reden. Seitdem sind wir in freundschaftlichem Kontakt. Er ist zugleich ein Bewunderer und Förderer des musikalischen Talents von Leonie Rettig. Und so brachte er uns alle zusammen. Er selbst konnte aus gesundheitlichen Gründen bei dem Hauskonzert nicht dabei sein. Doch gut sichtbar für alle Besucherinnen war er mit dem wunderbaren Strauß roter Rosen, den er geschickt hatte, mitten unter uns.

 

Der lang anhaltende Beifall am Ende des Konzerts, die vielen bewegten Gesichter und begeisterten Rückmeldungen machten deutlich: Das war ein großer Abend für alle Anwesenden. Viele von ihnen standen danach noch lange im Gespräch vertieft mit Leonie in unserem Salon zusammen, um mehr über sie und ihre musikalische Laufbahn zu erfahren.

 

Mehr zu Leonie Rettig finden Sie auf ihrer Website, auf der auch ihre nächsten Konzerttermine vermerkt sind. Im nächsten Jahr tritt sie gemeinsam mit dem Sinfonie Orchester Berlin im großen Saal der Berliner Philharmonie auf. Ich freue mich heute schon darauf. Und kann Ihnen und euch nur raten: Save the date!

 

Über die jeweiligen Links erfahren Sie mehr zur Geschichte des Salons Flotow und über die Gastgeberinnen, die Autorinnen Monika Borth & Christa Spannbauer.      

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Otto (Montag, 18 Juni 2018 05:00)

    Liebe Christa,

    es war für mich ein so wunderbares Ereignis, dass ich noch ganz bewegt bin und immer wieder an den Abend, den ich bei Euch so herrlich genießen durfte, zurückdenken muß. Ich danke dir sehr, daß du mir einen so guten Platz angewiesen hast. So konnte ich nicht nur ausgezeichnet hören sondern auch sehen (ich sagte dir schon, daß ich mich in den kleinen Finger Leonie Rettigs geradezu verliebt habe...). Ich hätte ihr gern meine Bewunderung ausgedrückt, aber ich kam nicht an sie ran und wollte auch nicht drängeln.

    Aber auch dir und deiner Mitgastgeberin Monika ein großes Kompliment. So viel Arbeit, die darin steckt und welch eine herrliche Atmosphäre, die ihr geschaffen habt! Nochmal herzlichen Dank für die Sternstunde - ich war glücklich!

    Liebe Grüße:
    Otto