Berlin pur: Lesungen, Chansons & Ausstellungen in unserem Salon Flotow

Vor knapp einem Jahr zog ich in das altehrwürdige Haus im Hansaviertel Berlins. Und lernte schon kurz darauf meine Mitbewohnerin Monika Borth aus dem vierten Stock kennen. Sofort kamen wir auf unsere vielen Gemeinsamkeiten zu sprechen. Eine davon ist unsere Liebe zur Literatur und die Freude am Schreiben. Und so beschlossen wir kurzerhand, einen Berliner Salon in unserem Haus zu eröffnen. Damit knüpften wir ganz bewusst an die kulturelle Tradition unseres Hauses im alten Hansaviertel an. Denn hier lebten bis 1933 viele deutsch-jüdische Künstler. Unter ihnen der Direktor des weltberühmten Admiralspalast, Leo Bartuschek, der seinen Salon für Konzerte und Lesungen öffnete. So wurde das Haus zum Treffpunkt von bekannten Schriftstellern und Sängern, deren künstlerisches Schaffen bis heute eng mit Berlin verbunden ist. Hier schmetterte die einzigartige Claire Waldoff in den 1920er Jahren ihre frechen Berliner Chansons. Hier las der scharfsinnige Satiriker Kurt Tucholsky seine Texte gegen den aufkommenden Faschismus. Hier entrollte die Malerin Käthe Kollwitz ihre neuesten Radierungen Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten erstarb das kulturelle Leben in der Flotowstraße. Seine jüdischen Bewohner retteten sich ins Exil. Mit der Einladung der Zeitzeugin Rahel Mann und dem Klezmer-Duo Hannes Daerr und Jule Seggelke an unserem ersten Salonabend im Juni 2017 erinnerten wir an die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner.

 

Nach der Sommerpause war die Berliner Sängerin und Liedermacherin Annika von Trier zu Gast . Mit ihrem Markenzeichen, dem lindgrünen Akkordeon, schmetterte sie voller Esprit und Lebensfreude ihre anarchischen und kecken Berliner Chansons und sang sich mit ihrer Liebeserklärung an Berlin in die Herzen der ZuhörerInnen: „Sie ist eigen, sie ist wild, sie hat nirgendwo ein Ebenbild. Sie ist herb und sie ist zart, Berlin ist gelebte Gegenwart“.

Im November konnten wir zu unserer großen Freude die bekannte Autorin Tanja Dückers in unserem Salon begrüßen. Mit ihrem Buch „Mein altes West-Berlin“, in dem sie ihre Kindheit und Jugend reflektierte, traten wir eine Zeitreise ins Milljöh der Mauerstadt der 1970er- und 1980er-Jahre an. In ihren pointierten und kuriosen Alltagsbetrachtungen ließ sie das Lebensgefühl im Westen der geteilten Stadt wieder lebendig werden.

Mit der Lesung aus ihrem neuen Buch „Ich geh mit dir auf den Federball“ führte Monika Borth am vergangenen Freitag die vielen Gäste auf eine literarische Reise von Ostpreußen bis ins Hansaviertel nach Berlin. In ihrem aufwühlenden und hochaktuellen Buch behandelt sie die großen Lebensthemen von Liebe und Tod, Krieg und Flucht, Familie und Heimat und beleuchtet die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf uns, die nächsten Generationen. Meiner geschätzten Freundin und Mitbewohnerin Monika ist damit ein emotional dichtes und spannendes Familienporträt gelungen, das ich allen wärmstens empfehle.

Optisch bereichert wurde der Salonabend durch die Aquarelle und Ölbilder der Berliner Malerin Sigrid Lüders und akkustisch durch die Kantaten von Bach und Händel, gespielt von der Pianistin Marija Mossburger.

 

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