Es geht ums Tun und nicht ums Siegen

Ich sehe sie vor mir. Diese drei jungen Menschen, wie sie im Gefängnishof zusammenstehen und ihre letzte Zigarette miteinander teilen. Es ist der 22. Februar 1943. Sophie und Hans Scholl und ihr Freund Christoph Probst, angeklagt des Hochverrats, werden in wenigen Minuten ihr Leben unter dem Fallbeil verlieren.

 

Sie waren von bewundernswerter Tapferkeit, werden die Gefängniswärter später über sie sagen. „Wir sehen uns gleich in der Ewigkeit wieder“, sagt Christoph zum Abschied, als Sophie von ihrem Henker geholt wird. Ruhig und gefasst geht sie ihrem Tod entgegen. „Es lebe die Freiheit!“, ruft ihr Bruder Hans noch auf dem Richtblock. Kurz darauf folgt ihnen ihr Freund Christoph in den Tod.

 

Drei junge Menschen wurden ermordet, weil sie in einem unmenschlichen System für Menschlichkeit einstanden. Weil sie nicht gewillt waren, das himmelschreiende Unrecht hinzunehmen. Weil sie aufbegehrten gegen das große Morden um sie herum. Einem Morden, dem sie schließlich selbst zum Opfer fielen.

 

„Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den ihr um euer Herz gelegt habt“, hatten sie in einem Flugblatt der Widerstandsgruppe

„Die weiße Rose“ geschrieben. Eine Aufforderung, die für uns heute ebenso aktuell ist wie damals. Mit ihrem Vorbild machen sie Mut, für Menschlichkeit einzustehen und Zivilcourage einzuüben. Zivilcourage ist der Ernstfall. Und jederzeit können auch wir in eine Situation geraten, in der wir sie unter Beweis stellen müssen. Zivilcourage fordert die Tapferkeit des Herzens ein.

 

Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano, die wir für unseren Film Mut zum Leben porträtierten, machte in Gesprächen immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, die vielen Formen des Widerstands gegen das Nazi-Regime aufzuzeigen. 

"Ich sage den Jugendlichen in meinen Vorträgen immer, dass es einen deutschen Widerstand gegeben hat. Aber die wollen das oft nicht hören. 'Die haben doch alle mitgemacht', sagen sie mir. Dabei wurden so viele mutige Menschen umgebracht, Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen und andere, weil sie gegen die Nazis gekämpft haben. Darüber müssen wir sprechen. Und das müssen wir honorieren.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Ralf (Donnerstag, 22 Februar 2018 20:39)

    Danke