Eine Hommage an meine Großmutter, die mich lehrte, immer nach dem Licht Ausschau zu halten

Niemand konnte Geschichten so schaurig-schön erzählen wie meine Großmutter. Ich erinnere mich an die Winterabende in ihrer warmen Küche. Im Ofen prasselte das Feuer, draußen dämmerte es, und ich fühlte mich heimelig und geborgen. „Erzähl mir eine Geschichte“, bat ich sie dann. Und sie setzte sich zu mir auf das alte Sofa und begann mit geheimnisvoller Stimme zu sprechen. Besonders angetan hatte es mir die Geschichte der beiden Kinder, die sich auf ihrem Heimweg im Wald verirrten. Wohlige Schauer des Schreckens überkamen mich, während ich wie gebannt an den Lippen meiner Oma hing. Ich sah sie förmlich vor mir, die zwei Kinder, wie sie sich, furchtsam an den Händen halten und ihren Weg durch den tiefen Wald bahnen. Wie bangte ich mit ihnen, während sie vergeblich nach dem Licht des Elternhauses Ausschau hielten. Und was war ich erleichtert, als sie endlich den rettenden Schein in der Ferne erblickten.
Mit ihren Geschichten trug meine Großmutter dazu bei, mich auf das Leben vorzubereiten. Auf die Prüfungen und Krisen, die ich auf meinem Lebensweg meistern und überstehen würde. Auf die Zeiten der Dunkelheit, die es zu durchqueren gilt. Sie lehrte mich, dass es auch in der größten Verzweiflung lohnt, nach dem Licht Ausschau zu halten. Dass es wichtig ist, in schweren Zeiten nicht allein zu sein. Dass es möglich ist, trotz aller Angst den Mut zusammenzunehmen und weiterzugehen. Und dass wir uns selbst in der größten Verzweiflung die Hoffnung bewahren können.
Ja, Geschichten bereichern unser Leben. Als Erwachsene ebenso wie als Kinder. Weshalb also setzen wir uns nicht öfters mit anderen zusammen um uns etwas zu erzählen? Geschichten vom Wunder der Liebe, von den kleinen und großen Momenten der Menschlichkeit, Geschichten von den magischen Begegnungen der Seele auf ihrer Lebensreise.

Weitere Geschichten findet ihr in meinem Buch Teile und werde mehr

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0