Wo Künstler einst ein- und ausgingen: Ein Berliner Salon am Tiergarten

Seit drei Wochen lebe ich nun am Berliner Tiergarten in diesem alten und ehrwürdigen Haus in der Flotowstraße. Das Haus selbst ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen, doch mit seiner zeitlosen Eleganz und seiner mächtigen Marmor-Eingangshalle kündet es selbstbewusst von einer großen Vergangenheit.

 

In den 1920er Jahren lebten hier viele deutsch-jüdische Künstler. In der Wohnung über mir hatte der Direktor des weltberühmten Admiralspalast, Leo Bartuschek, seine Wohnung und öffnete seinen Salon für Konzerte, Performances und Lesungen. Das Haus wurde zum Treffpunkt von bekannten Schriftstellern, Sängern, Tänzern und Malern, deren künstlerisches Schaffen bis heute eng mit Berlin verbunden ist.

 

Die einzigartige Claire Waldoff schmetterte hier ihre kecken Berliner Chansons wie Nach meene Beene is ja janz Berlin verrückt.  Die Tänzerin Grete Wiesenthal schwebte voller Anmut und Eleganz durch die Räume, und der scharfsinnige Satiriker Kurt Tucholsky las hier seine Texte gegen den aufkommenden Faschismus.

  
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten erstarb das kulturelle Leben in der Flotowstraße. Seine Bewohner retteten sich ins Exil. Die vielen Stolpersteine vor anderen Häusern der Flotowstraße zeugen davon, dass viele andere Bewohner unserer Straße der Deportation und Ermordung nicht entkommen konnten.
Mit unserem kulturellen Salon, den wir in Bälde im Haus eröffnen werden, knüpfen wir ganz bewusst an die bewegte Geschichte dieses Hauses und seiner Bewohner und Gäste an und halten die Erinnerung an sie lebendig. 

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Kommentare: 4
  • #1

    Renate Merkel (Freitag, 19 Mai 2017 19:27)

    Liebe Christa,

    genial!!! Du wirst einen wunderbaren Salon haben! Und du wirst die Tradition und Geschichtsträchtigkeit dieses Ortes aufs Beste nutzen und würdig weiterführen - was für ein Geschenk an dich zur rechten Zeit! Ich freu mich für dich!!

    Fühl dich umarmt von

    Renate

  • #2

    Martin Frischknecht (Samstag, 20 Mai 2017 10:45)

    Gratuliere! Und grüsse aus dem Spuren-Salon in Winterthur. Am Montag gibt s bei uns chinesischen Tee und Klangschalen - das Fest der Päonie.

  • #3

    Andreas Paersch (Donnerstag, 25 Mai 2017 06:43)

    Hallo Frau Spannbauer,
    wie schön, dass Sie nun in Ihrer neuen Wohnung angekommen sind.
    Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie dort eine neue Heimat gefunden haben.

  • #4

    Ulrike Manier (Mittwoch, 07 Juni 2017 14:24)

    Ich freue mich über meine neue tolle Nachbarin und den kulturellen Salon. Bin schon gespannt auf das Programm.