"Wende dich nicht ab, halte den Blick auf die wunde Stelle gerichtet, denn dort tritt das Licht ein."

Den weisen Worten des Sufi-Mystikers Rumi kann ich nur aus ganzem Herzen zustimmen. Denn auch ich durfte immer wieder erfahren: Wer sich achtsam und mitfühlend dem Leid im eigenen Herzen zuwendet, bringt Heilung in das eigene Leben und das der Menschen um sich herum.

 

Nein, ein einfacher Weg ist das nicht. Er braucht Mut, Entschlossenheit und einen langen Atem. Doch der Schlüssel liegt in unserer Hand. Vergebung ist ein Akt der Stärke. Und ein Akt der Liebe. Sie befreit den, der sie gibt und den, der sie empfängt. Wie wir mit Verletzungen umgehen, zeigt, wer wir sind, woran wir glauben und was uns wichtig ist im Leben.

 

Ich hatte das Glück, Menschen begegnen zu dürfen, die mich in dieser Hinsicht viel gelehrt haben. Für den Film „Mut zum Leben“ begleitete ich für einige Jahre vier Überlebende der Shoah. Menschen, die trotz des Entsetzlichen, das ihnen angetan worden war, heute frei sind von Bitterkeit und Hass. In vielen intensiven Gesprächen erwuchs mir über die Jahre ein Verständnis dafür, welche Ressourcen und Lebensentscheidungen es sind, die Menschen dazu befähigen, nach schweren Verletzungen und traumatischen Erfahrungen ihr Vertrauen in das Leben und ihre Versöhnungsbereitschaft zu bewahren. Ohne diese wichtigen Begegnungen mit Jehuda Bacon, Esther Bejarano, Èva Pusztai-Fahidi und Greta Klingsberg, meinen großen Lehrern der Menschlichkeit, wäre mein neues Buch Vergebung befreit nicht möglich gewesen.

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